Obschon ich mir nicht viel aus Vorsätzen zum neuen Jahr mache, so ist der Jahreswechsel doch stets ein guter Zeitpunkt für eine sachliche Situationsanalyse und eine kritische Selbstreflexion.
Das Jahr 2017 war ein wahnsinnig intensives Jahr. In der Hitparade meiner intensivsten Jahre ever reiht es sich locker in den Top5 ein, vielleicht sogar in den Top3. Im Job war über weite Strecken eine Extraportion Einsatz von mir gefordert. Aber auch privat, vor allem privat, galt es einige ausserordentliche Herausforderungen zu meistern.
Irgendwann im Sommer – ich drehte gerade genüsslich am Rad und schnupperte bereits an meinen persönlichen Grenzen – da flüsterte mir eine innere Stimme zu, dass es so nicht weitergehen sollte, nicht weitergeHEN KONNte, NICHT WEITERGEHEN DURFTE. Punkt.
Ein PlanB bzw. PlanDö (das Dö steht liebevoll für DÖdel) musste her!
PlanDö
Am Anfang von PlanDö stand die radikale Auslegeordnung. Ich musste mir einen Überblick über meine ziemlich verfahrene Situation verschaffen. Und so achtete ich fortan bei ALLEM was ich tat sehr bewusst darauf, was mir Energie raubte und was mir Energie gab.
Gretchenfrage: WOFÜR BRENNE ICH?
In einem zweiten Schritt nahm ich mir vor, Konsequenzen zu ziehen und Dinge, bei denen ich zur Überzeugung gelangt war, dass sie mir Energie raubten, kompromisslos loszulassen und dafür meinen Leidenschaften mehr Raum einzugestehen.
Seit meinem Total-Reset vor ein paar Jahren, pflege ich grundsätzlich einen ziemlich minimalistischen Lebensstil. Im Rahmen des Auslegeordnung-Prozesses wurde mir aber bewusst, wie viel Ballast sich über die Jahre trotzdem angesammelt hatte. Angefangen bei unzähligen E-Mail-Newslettern, für die ich mich gerüchtweise selbst mal eingeschrieben haben soll 🤔 und die ich seit Monaten, vielleicht sogar seit Jahren, schnurstracks aus meinem E-Mail-Postfach entferne – ungelesen, wohlverstanden. Über Schuhe und Kleider, die ausgelatscht oder einfach uncool geworden sind und geduldig in der hintersten Ecke des Kleiderschranks ausharren. Über ätzende Aufgaben und Routinen, die sich klammheimlich in meinem Alltag eingeschlichen haben und irgendwie so gar nicht zu meiner kreativen Ader passen. Bis hin zu zwischenmenschlichen Verbindungen, die mich und mein autonomiebedürftiges Naturell nicht weiterbringen, schlimmsten Falls sogar blockieren…
Es ist bestimmt kein leichter Prozess (herrje, das Leben ist nunmal kein Ponyhof!), aber einer, der sich lohnt und einem in der Retrospektive das eine oder andere Schüppchen von den Augen fallen lässt.
Ende Oktober besuchte ich schliesslich das Seminar THE BIG FIVE FOR LIFE und war von der Reich-und-Glücklich-Matrix total beeindruckt. Sie half mir, eine Struktur in mein Gedanken-Wirrwar zu bringen und lieferte mir plausible Argumente für die Erkenntnisse aus meinem vorausgegangenen Auslegeordnungs-Prozess. (Mehr zum BigFiveForLife-Seminar gibt’s übrigens hier.)
Welcome 2018
Nun ist es also da. Das neue Jahr. Zweitausendachtzehn! Viele Jugendliche sehnen ihr persönliches achtzehnte Jahr sehnlichst herbei. Wie eine Drohung verwenden sie es gegenüber ihren Eltern:“Warte nur, bis ich achtzehn bin und ich endlich machen kann, was ICH will und was MIR gefällt!“
Sinnbildlich möchte ich dieses achtzehnte Jahr des 21. Jahrhunderts für mich persönlich zum Anlass nehmen, wieder mehr von dem zu machen, was ICH will und was MIR gefällt. Schreiben gehört übrigens dazu 😉
Das vergangene Wochenende stand voll und ganz im Zeichen meiner persönlichen Herzenswünsche. Diese waren mir zu Beginn des Wochenendes selbst noch höchstens ansatzweise bekannt. Doch dies sollte sich bald ändern, denn das Ziel der drei äusserst intensiven und dennoch wunderbar inspirierenden Seminartage an der Zürcher Goldküste war es, die eigenen Herzenswünsche zu erkennen und sich ihnen anzunähern. Schritt für Schritt.
Es gibt schlimmere Locations, um sich mit spannenden Lebensfragen auseinanderzusetzen. (EPI Park, Zürich.)
Wie es dazu kam
Im Frühling, ich war gerade auf der Suche nach einem passenden Geburtstags-Geschenk für meine Afrika begeisterte Freundin, bin ich auf das Buch Safari des Lebensvon John Strelecky gestossen. „Das ist es!“ dachte ich, „das ist das perfekte Geschenk.“ Hoch motiviert verliess ich damals den Buchladen, setzte mich zu Hause gleich hin und las das Büchlein fast in einem Zug durch.
Ich fand die Geschichte zwar ganz nett, aber als Geburtstagsgeschenk für meine Freundin dann irgendwie doch nicht überzeugend genug. Die Frage nach dem Warum kann ich heute, eine Woche nach meiner Teilnahme am «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminar, nicht mehr plausibel beantworten. Aber egal, damals war damals und damals passte es eben nicht. Ein alternatives Geschenk musste her und zwar dringend. Ich krempelte also meine Ärmel hoch und bastelte eigenhändig eine „Geburtstagskarte Deluxe“ mit Safari-Feeling – guckt da: 🙂
Nun aber zurück zu John Strelecky und seiner einzigartigen Interpretation von Safari des Lebens und den «Big Five for Life».
Im Spätsommer war mir der Lesestoff ausgegangen und so schnappte ich mir kurzerhand John Streleckys neuesten Streich, das Buch Wiedersehen im Café am Rande der Welt aus dem Bestseller-Regal bei Orell Füssli. Das Buch handelt von einer jungen Workaholikerin, die vor lauter tun und lassen, was andere von ihr erwarten, ihre eigenen Ziele und Wünsche aus den Augen verloren hat. Im Café trifft sie John, der sogleich zu ihrem Mentor wird und ihr dabei hilft, sich auf das, was wirklich zählt zu besinnen.
Die beiden Werke von John Strelecky, die ich mir bisher zu Gemüte führte.
Die Geschichte wird absolut schnörkellos erzählt, ist daher für jedermann leicht lesbar und durchaus inspirierend. Das Spannendste am ganzen Buch erwartete mich jedoch auf der letzten Seite, auf Seite 284. Hier entnahm ich nämlich den Hinweis auf Streleckys Seminar-Reihe «BIG FIVE FOR LIFE», welche direkt an seine Bücher anknüpft.
Neugierig rief ich die aufgeführte Webseite auf und fand bald heraus, dass für Ende Oktober ein erstes Seminar-Weekend in der Schweiz angeboten wurde. Die Ausschreibung und die online verfügbaren Schnupperlektionen überzeugten mich schliesslich und **ZACK**war ich auch schon für’s allererste «BIG FIVE FOR LIFE»-Seminar in der Schweiz eingeschrieben. ((an dieser Stelle bitte einen Trommelwirbel vorstellen))
Mit dem ❤ Herzen sieht und hört man am besten
Zusammen mit 15 weiteren Abenteurern startete ich also die Safari zu meinen ganz persönlichen Herzenswünschen, meinen «Big Five for Life» ❤
Unsere Reisebegleiter waren Brigitte Baumberger* und André Tietz – zwei äusserst sympathische Menschen, die das Herz definitiv am rechten Fleck haben ((hier bitte einen herzlichen Applaus vorstellen)).
An den Wänden des Seminarraums hatten Brigitte und André diverse Botschaften angebracht, die zum Nachdenken anregten. Auf mich hat das Plakat mit der „Sterbebett-Perspektive“ am stärksten gewirkt:
P.S. nein, ich habe nicht vor, schon in 30 Jahren hier abzutreten 😉
Oder anders gefragt: Was würde ich irgendwann bereuen und mich fragen:
„Ey, du langweiliges Luder, warum hast du eigentlich damals, in deinen besten Jahren, dieses oder jenes nicht gemacht? WA-RUM. hast. du. es. nicht. einfach. ge-macht, hä?“
Brigitte und André haben uns mit wunderbar banalen Aufgaben auf die Reise zu unseren Herzenswünschen geschickt und uns dabei kompetent begleitet. Im Wesentlichen ging es darum, anhand einfachster Fragestellungen häppchenweise unsere persönlichen Vorlieben zu ergründen:
Warum zieht es uns an gewisse Orte oder in gewisse Geschäfte immer wieder hin?
Warum schauen wir Romanzen (oder eben Krimis) am TV?
und, und, und….
Gerade weil die Aufgaben in ihrer Banalität fast schon lächerlich anmuteten, rieten unsere Reisebegleiter uns immer wieder, die einzelnen Aufgabenstellungen nicht zu hinterfragen, sondern einfach dem Prozess zu vertrauen – „Trust the Process“, um es in den Worten von John Strelecky auszudrücken.
Reich und glücklich
Persönlich hat mich die Reich-und-Glücklich-Matrix wach gerüttelt. In dieser Aufgabe ging es darum, unsere Alltags-Tätigkeiten in den Kästchen 1 bis 9 einzuordnen.
Anhand eines kleinen Beispiels aus meiner eigenen Aufgaben-Schublade möchte ich das Prinzip der Matrix kurz erläutern.
Beispiel: Das Bügeln von Hemden und Blusen muss ich eindeutig dem Kästchen 8 zuordnen: bügeln kostet mich zwar nichts (ausser Nerven, herrje), aber ich HASSE es zu bügeln. Bügeln macht mich überhaupt nicht glücklich. Nun lohnt sich natürlich die Frage, ob ich denn irgendetwas an dieser Situation verändern könnte. Klar könnte ich! Ich könnte eine Bügelfrau engagieren und damit eine Verschiebung der ungeliebten Tätigkeit ins Kästchen 1 erwirken. Die Frage ist, ob ich bereit bin, zur Erreichung der vollkommenen Happyness in diesem Beispiel Geld auszugeben.
Natürlich gilt es im Leben wesentlich kniffligere Aufgaben zu bewältigen, als das Bügeln von Hemden und Blusen. Bei den wirklich zentralen Aufgaben unseres Wesens lohnt sich eine sorgfältige Evaluation. Die Reich-und-Glücklich-Matrix wird hier zur Schaltzentrale mit komplett flexiblen Reglern, womit sich die für uns stimmigen Nuancen je Szenario bequem einstellen lassen.
Ich kann diese Art der Reflexion wirklich jedem ans Herz legen. Was für eine Bereicherung, sich mal in aller Ehrlichkeit bewusst zu machen, wieviel Zeit unseres kostbaren Lebens wir letztlich für Dinge aufwenden, für die wir nicht brennen. Heiliger Bimbam, ey!
Herzenswünsche leben
Eine passende Bereicherung des Seminars war der Film Mit Herz und Hand mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle. Der Film spielt in den sechziger Jahren und erzählt die wahre Geschichte des Neuseeländers Burt Munro, dessen Herzenswunsch es war, mit seiner während 25 Jahren selbst „gebastelten“ Indian die legendäre Bonneville Speed Week zu rocken. Die Reise von seiner Heimat Neuseeland nach Utah, USA verlief nicht ohne Komplikationen und erforderte eine tüchtige Portion an Improvisation – sowohl von Burt, als auch von seinem Umfeld. Doch Burts eiserner Wille war stärker als jedes vermeintliche Hindernis…
Ich hatte den Film zuvor noch nie gesehen. Die Geschichte berührte mich, keine Frage. Und sie entlockte mir Erinnerungen an meine eigene Zeit, die ich vor einigen Jahren am und um den grossen Salzsee bei Bonneville erlebte. Leider habe ich damals noch nicht gebloggt und kann an dieser Stelle daher keine Geschichte aus meinem Anekdoten-Fundus anbieten 😉
Auch Udo Jürgens‘ Ich war noch niemals in New York erhielt seinen verdienten Platz in unserem «Big Five For Life»-Seminar. Hinter diesem Song verbirgt sich eine meiner persönlichen Lieblings-Anekdoten. Witzig ist insbesondere, dass ich den Entschluss, endlich mal selbst nach New York zu reisen, damals mitten im namibischen Outback und damit quasi direkt bei den „wahren Big Five“ in Afrika gefasst hatte. Mehr dazu im Artikel Milchstrasse vs. Time Square: Vom afrikanischen Lagerfeuer an den Time Square in New York.
The «Big Five for Life»
Zugegeben, ich bin in der Erwartung in das Seminar gestartet, dass ich am Ende des dritten Tages, konkrete Ziele benennen kann, wie z.B, „ich will den Kilimandscharo besteigen“ oder „ich will in meinem Leben drei Kinder gebären“. Spätestens im Verlaufe des zweiten Tages wurde mir aber klar, dass es gar nicht darum geht, seine Herzenswünsche bis aufs i-Tüpfelchen präzise und konkret formulieren zu können. «Big Five for Life» nach John Strelecky lässt totale Freiheit zu – auch was die Flughöhe und die Formulierung betrifft. Wichtig ist am Ende nur, dass man sich in seinen Herzenswünschen selbst wiederfindet und ihnen einen gebührenden Platz im Leben zugestehst.