The Winner Takes it All, den Andalusiern ists egal

Um es gleich vorweg zu nehmen: der spontan möglicherweise etwas provokant anmutende Titel dieses Blogposts ist aus Sicht der Andalusier absolut im positiven Sinne zu verstehen. Zehn Tage an der Costa del Sol genügten, um mir eine ganz fette Scheibe vom andalusischen Zauberkuchen abzuschneiden. Der Kuchen besteht aus kostbaren Zutaten wie Gelassenheit, Zufriedenheit, Herzlichkeit und einer grosszügigen Prise Charme.
„Kein Wunder, dass die so zufrieden sind. Die haben ja auch 320 Sonnentage pro Jahr“, könnte man da resümieren. Rein statistisch ist diese Aussage zwar korrekt, aber hey! letztlich bestimmt nicht die Sonne, die vom Himmel lacht, wieviel Licht wir in unseren Herzen zulassen. Ich jedenfalls knabbere noch heute genüsslich an meinem andalusischen Stück Kuchen.

Nun aber zur eigentlichen Geschichte, die meine Zeit in Andalusien zu einem Meilenstein in meinem Leben gemacht hat.

Obschon ich einige Punkte meiner damals in Barcelona skizzierten Strategie bereits tapfer in die Tat umgesetzt hatte, blieb ein Vorsatz zunächst hartnäckig auf der Pendenzenliste stehen. Jener nämlich, alleine ein Auto zu mieten und damit auf eigene Faust eine neue Gegend zu entdecken. In meinem alten Leben waren mein Mann und ich oft per Auto bzw. Camper unterwegs. Da mein Mann Chauffeur war, war es naheliegend, dass er in aller Regel am Steuer sass, währenddem ich mich nebenan auf dem Beifahrersitz über all die Jahre zur quirligen Entertainerin und zur Weltmeisterin im Kartenlesen entwickelte.

Meine Andalusien-Mission lautete also, ein Auto zu mieten und damit die Gegend unsicher zu machen. Nach über drei Stunden in der Europcar-Schlange am Flughafen von Málaga, habe ich meinen Fiat500 endlich erhalten. ❤

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Mein 500er, aka „Erbse“ 😉

Als ich dann die Adresse meines Hotels im Navi eingeben wollte, stellte ich erstaunt fest, dass die auf dem Voucher aufgedruckte Strasse gemäss Navi nicht existierte. Ich beschloss daraufhin, einfach mal bis nach Marbella durchzufahren und dort nach dem Weg zu fragen. Und so stoppte ich bei der ersten Tankstelle nach dem Ortsschild von Marbella, hielt dem braungebrannten Spanier an der Kasse meinen Hotel-Voucher unter die Nase, legte mein charmantestes Sonntags-Lächeln auf und zog gleichzeitig die Achseln bis zu den Ohren. Der Mann kapierte sofort und so erfuhr ich, dass ich bereits auf der richtigen Strasse war (Bingo!). Allerdings auf der falschen Seite und ca. zwei Kilometer zu östlich. „Easy!“, dachte ich bei mir, „Strassenseite wechseln kriege ich hin, wär‘ ja gelacht, ey!“.

Motiviert verliess ich also den Tankstellenshop und verschaffte mir als erstes einen Überblick. Wieviele Spuren hatte diese Strasse denn eigentlich von der der Tankstellenmann behauptete, dass es die richtige sei? Eine, zwei, drei… pro Richtung, wohlverstanden (meine Fresse!). Ich setzte mich in meinen 500er und war entschlossen, zwei bis drei Kilometer in westliche Richtung weiterzufahren, um dann irgendwie die Seite zu wechseln. Natürlich kam nach drei Kilometern keine Bitte-Wenden-Ausfahrt. Auch nach vier, fünf und sechs Kilometern nicht.  So verliess ich die Autostrasse halt einfach bei der ersten Gelegenheit, die sich mir bot. Unnötig zu erwähnen, dass ich den Überblick zu dem Zeitpunkt längst verloren hatte (Herrje!).
Ein Plan B musste her und zwar schnell. Et voilà: Ich würde uns (also für die Erbse und mich) ein Taxi rufen. Das mag jetzt bescheuert klingen, ist aber eigentlich ein ziemlich intelligenter Plan, auf den man zuerst mal kommen muss! 🙂 Das Taxi sollte Häuptling spielen, voraus reiten und uns zwei Bleichgesichtern so den Weg zum Hotel weisen…

Ich war inzwischen auf dem Parkplatz eines Surfclubs gelandet. Ich stieg aus dem Wagen und kaum stand ich mit meinem hilflosen Taxi-Such-Blick auf dem Platz, kam auch schon ein knackiges, braungebranntes und von Sonnenöl glänzendes Sixpack auf mich zu. Er hiess Francisco und genau so sah er auch aus (hach!)!
Francisco strahlte übers ganze Gesicht. Seine Augen leuchteten, als er fragte, ob und wie er mir denn helfen könne. „Oh… ähm… hola… un momento… por favor… soy suiza…“, stammelte ich und kramte meinen Hotel-Voucher hervor. Francisco sah das Logo auf dem Papier und meinte, dass er bereits wisse, wo das Hotel sich befinde und er mir den Standort im Navi locker sogar ohne Adressangabe programmieren könne. Für einen Moment war ich skeptisch, doch dann sah ich auf das beeindruckende Sixpack in Franciscos funkelnde, braune Augen und vertraute ihm aus tiefem Herzen. Ich sollte es nicht bereuen…

Eine halbe Stunde später checkte ich im Hotel ein, bezog meinen knallorangen Bungalow und gönnte mir eine erfrischende Dusche. Später genoss ich den lauen Abend bei einem Glas Sangria an der Strandbar und war einfach nur dankbar (übrigens: dankbar reimt sich auf Strandbar). Ich hatte es geschafft, war angekommen – nicht nur im Hotel 😉 Manchmal meint es das Schicksal eben verdammt gut mit mir…

In den darauffolgenden Tagen unternahm ich mit meiner Erbse einige sehr tolle Ausfahrten. Vergnügt kurvten wir durch die berühmten „weissen Dörfer“ Andalusiens, machten Halt im romantisch-imposanten Ronda, im lieblichen Nerja, im stürmischen Gibraltar und liessen selbst das 260 km entfernte Sevilla, die Hauptstadt Andalusiens, nicht aus.

Wer weiss, vielleicht schreibe ich mal noch eine weitere Geschichte über mein Self-Drive-Abenteuer an der Costa del Sol… aber natürlich nur, wenn ihr das mögt?!?? 🙂

Impressionen aus Andalusien

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/Mai 2014

BarceLOVEna, der Play-Button zu meinem neuen Leben

Das Reisen ist schon mein ganzes – naja, halbes – Leben meine grosse Leidenschaft. Ich liebe es, dem Alltag zu entfliehen und dabei neue Länder und Kulturen zu entdecken. Seit gut vier Jahren reise ich regelmässig alleine, bzw. auf eigene Faust. Mehr dazu dann gerne in meinen künftigen Postings.

In diesem Beitrag möchte ich ein paar Hintergründe darlegen, die zur starken Ausprägung meiner Leidenschaft fürs Reisen generell und fürs Alleinreisen im speziellen geführt haben und welche Rolle Barcelona dabei spielt.

Mein altes Leben…

Früher, in meinem „alten Leben“, bereiste ich zusammen mit meinem Ehemann die Welt. Wir taten dies grossmehrheitlich per Camper. Quer durch Australien, Amerika, Kanada, Kenia, Südafrika, Skandinavien, Griechenland, Spanien, Italien, Grossbritannien, Frankreich, Österreich, Deutschland und natürlich die Schweiz. Wir waren oft mehrere Wochen am Stück unterwegs und waren ein perfekt eingespieltes Team, sodass wir – zwei grossgewachsene Menschen, wohlverstanden – uns sogar auf kleinstem Raum stets bestens arrangieren konnten und uns nie in die Quere kamen.

Wenn wir nicht gerade irgendwo durch die grosse, weite Welt tuckerten, werkelten wir an unserem Häuschen herum. Einem charmanten, ehemaligen Bauernhaus, Baujahr 1830, mit angebauter Scheune und viiiieeeeeel Umschwung. Jede freie Minute steckten mein Mann und ich in das Haus. Ich sprudelte nur so vor kreativen Ideen, was wir wo und wie noch optimieren oder umbauen könnten. Mein Mann war nicht nur ein verdammt geduldiger Zuhörer, sondern auch ein begnadeter Handwerker. Und so verwirklichten wir gemeinsam einige unglaublich tolle Bau-Projekte. Hätte es den HeimwerkerKing damals schon gegeben, wir wären die grössten Fans gewesen, wetten?! 🙂

Zum Millenium-Wechsel bereisten wir Australien: einmal rundherum und kreuz und quer durchs Outback lautete die Devise. Auf dieser Reise entdeckte ich eine weitere grosse Leidenschaft: Vögel. Exotische Vögel. Papageien und Kakadus, um genau zu sein. Stundenlang konnte ich rücklings auf dem Boden liegen, in den Himmel starren und dem fröhlichen Gezwitscher unserer gefiederten Wegbegleiter frönen.

Nach 27’000 staubigen Kilometern flogen wir schliesslich von Downunder nach Hause zurück. Und siehe da: zufällig hatte ein Kollege meines Mannes, ein Vogelzüchter, grad ein niedliches Nymphensittich-Männlein zu vergeben. Wir zögerten, wollten auf keinen Fall ein Einzeltier und für mehr fehlte uns zu dem Zeitpunkt definitiv der Mut. Nachdem uns der Kollege jedoch anbot, dass wir den Knirps bei Nichtpassen einfach wieder an ihn zurückgeben könnten, waren wir mit dem Deal einverstanden. Und natürlich wollten wir den süssen, kleinen Piepmatz nie wieder hergeben 😍 So kam es, dass wir eines Tages eine drollige, farbenfrohe kleine Vogelschar beherbergten. Ich liebte es, das muntere Treiben unserer Sittiche zu beobachten. Stun-den-lang.

Tschüss altes Leben

Im Herbst 2011 endete mein altes Leben. Zugegeben etwas abrupt, aber hey! lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Hintergründe gehören nicht hierhin. Fakt ist, dass ich von einem Tag auf den anderen allein dastand: ohne Haus, ohne Vögel, ohne Mann… Das Einzige, was von meinen „alten“ Leidenschaften nicht per se abgehakt werden musste, war das Reisen und so sagte ich zu mir:“wenn du jetzt sogar das Reisen aufgibst, dann hast du verloren!“

Ich verliere nicht gerne und so flog ich am 29. Dezember 2011 kurzentschlossen einer Freundin nach Barcelona hinterher, die Weihnachten bei ihrer katalanischen Familie verbrachte.

Hallo Barcelona, hallo neues Leben!

Meine Freundin und ich feierten Silvester tanzend auf den Ramblas von Barcelona und ich wusste in dieser Nacht, dass der erste, kleine und doch ganz grosse Schritt in mein neues, völlig unabhängiges, freies Leben geschafft war. Barcelona hat seither übrigens einen fixen Platz auf meiner jährlichen Reise-ToDo-Liste. Ehrensache, quasi ❤
Mehr zu Barcelona gibt’s übrigens im Artikel 6 Tipps für einen perfekten Tag in Barcelona.

Viele Leute wollten mir damals, in der Phase meines Neubeginns, Mut zusprechen, indem sie sagten, dass ich bestimmt wieder einen Partner finden würde, mit dem ich tolle Reisen unternehmen würde. Doch für mich war stets klar, dass ich das eine auf keinen Fall vom anderen abhängig machen durfte. Nein, ich wollte nicht Däumchen drehend auf «Mister Right» warten, sondern meinen eigenen Weg gehen – ohne Wenn und Aber.

Es war eine sehr intensive Zeit damals und natürlich hatte ich deutlich mehr Fragen als Antworten im Kopf, wie mein Leben wohl weitergehen wird. Aber egal, jetzt hiess es primär mal einfach am Ball zu bleiben, mutige und realistische Schritte zu planen und umzusetzen – erhobenen Hauptes, den Blick stets nach vorn gerichtet…